Qltur 2007

Dieser Text beschäftigt sich mit Überlegungen zur Kunst im Allgemeinen und der Qltur im Besonderen. Bitte stören Sie ihn dabei nicht, sondern wenden sich an den Autoren.

Was sollte Kunst sein?
Oder was sollte sie nicht sein, eine unlösbare Frage. Ich meine, Kunst ist zu komplex, um nicht alles zu sein. Es gibt Künstler, die mit ihrem Werk eine Botschaft vermitteln wollen, andere wollen nur schockieren. Ich wähle den etwas gemäßigteren Weg, eine Botschaft so zu verstecken, dass niemand einschließlich mir sie mehr erkennen kann.

Welchen Sinn mag es haben, eine doch eindeutige Botschaft so unauffällig zu maskieren, dass sie nicht als solche zu erkennen ist?
Der Sinn besteht darin, den Betrachter mit einem Kunstwerk anzusprechen. Wenn er darüber hinaus eine Botschaft erkennt, die ihm hilft, seine Welt und sich besser zu verstehen, ist das Ziel meiner Kunst erreicht. Die Botschaft, egal wie der Künstler sie meinte und vortrug, wird immer von jedem Betrachter anders verstanden, als sie gemeint war, weil jeder sie unter anderen Voraussetzungen auffasst.
Dies liegt zum einen daran, dass jeder Mensch - im Normalfall - eine eigene Persönlichkeit ist, die ihre Umwelt auf ihre eigene Art wahrnimmt und interpretiert. Zum anderen nimmt man ein Kunstwerk und die darin enthaltene Absicht des Künstlers zu verschiedenen Zeiten am Tage, im Jahr und im Leben anders wahr. Menschen verändern sich, und somit ihre Wahrnehmung. Diese Veränderung beeinflusst die Wahrnehmung des Kunstwerkes und die vermeintliche oder tatsächliche Botschaft des Werkes.

Sollte man also nur "schöne" Kunst schaffen?
Nein. Reine Ästhetik erfüllt zwar auch den Anspruch, auf den Betrachter zu wirken. Selbst die naive Malerei, die auf den ersten Blick keine Botschaft enthält, hat den Effekt, den Betrachter zu verändern. Dennoch ist Ästhetik nur ein Element der Kunst. Mindestens zwei Elemente der Kunst bilden eine Brücke (das Kunstwerk) zwischen dem Künstler und dem Betrachter.
Der persönliche Ausdruck (Stil) des Künstlers vermittelt dem Betrachter Einblick in dessen Leben. Das Kunstwerk spiegelt immer den Status der Persönlichkeit wider, in deren Umfeld es entstand. Der Künstler, wie alle Menschen, verändert seine Persönlichkeit und Wahrnehmung in Relation zur Umwelt. Dadurch verändern sich das Kunstwerke täglich, jährlich, periodisch (z.B. Picassos "Blaue Periode") und epochal.
Die Botschaft ist das zweite verbindende Element. Selbst in einem Werk ohne Botschaft ist eine Botschaft enthalten, nämlich jene, dass es keine Botschaft enthält. In heutiger Sicht abstrahiert ist die Botschaft somit eine leere Datei.
Jede Botschaft wird anders aufgenommen, als sie abgegeben wurde. Im Normalfall ist diese Abweichung irrelevant, weil der Sinn immer noch leicht erkennbar ist. Bei komplexeren Gebilden wie dem Kunstwerk kann sich die Abweichung so stark ausnehmen, dass der Künstler, ob beabsichtigt oder nicht, unverstanden bleibt. Doch ob die Botschaft verstanden wird oder nicht, sie bleibt erhalten und eine Brücke zwischen Künstler und Betrachter.

"Was will uns der Künstler damit sagen?"
Wie wir erkannt haben, ist die Botschaft meist unklar. Also ist die oben stehende Frage etwas für Kunsttheoretiker, die das Leben des Künstlers anhand seiner Werke analysieren und interpretieren. Mit Hilfe dieser Frage kann man eventuell auch einen Einblick in die Wertvorstellungen einer Epoche erhalten. Dennoch ist die Frage für den nicht als künstlerische Fachkraft ausgebildeten Betrachter falsch gestellt.
Formulieren wir sie um.

"Wie wirkt das, was der Künstler geschaffen hat, auf mich?"
Diese Frage lässt sich von jedem ganz leicht beantworten, habe er kunsttheoretische Vorbildung oder nicht. Viele kunstinteressierte Menschen verfügen über ein gewisses Maß an Vorbildung, doch besonders bei den populären Künstlern ist vieles davon auch Mythos. Viel wichtiger ist also das unmittelbare Gefühl, das ein Kunstwerk im Betrachter auslöst. Auch vollständiges Unverständnis oder gar Ablehnung dürfen hierzu gehören.

Fassen wir also zusammen:

  • Wichtig für die Verbindung des Künstlers zum Betrachter sind der Stil und die Botschaft.
  • Wichtig für den Betrachter ist die Wirkung des Kunstwerkes auf sich.
  • Das Kunstwerk muss also durch Elemente wie Ästhetik, Stil und Botschaft eine Verbindung zu einem Betrachter herstellen können, der wiederum durch die in dem Kunstwerk enthaltenen Elemente in seinem Denken, seiner Wahrnehmung und seinem Verhalten beeinflusst wird.

So gesehen könnte alles als Kunst gelten, was Duchamp oder ein anderer anerkannter Künstler signiert hat. Das ist jedoch nur teilweise richtig und führt auch zu weit in den Bereich der konzeptuellen und theoretischen Kunst.
Zum einen entfällt das Element des Stils, wenn der Künstler das Kunstwerk nicht selbst anfertigt.
Außerdem ist das Element der Ästhetik für den Laien das wichtigste Kriterium der Kunst. Soll das Kunstwerk also den Betrachter im positiven Sinne ansprechen, sodass dieser am Kunstwerk Gefallen findet und bereit ist, sich mit der enthaltenen Botschaft auseinanderzusetzen, darf ein Mindestmaß an Ästhetik nicht fehlen. Das Problem der kulturell unterschiedlichen Vorstellungen von Ästhetik bleibt dabei erhalten, fördert jedoch die Vielfalt der Kunst an sich.

Was hat das alles mit Qltur zu tun?
Als Qltur bezeichne ich die ganz persönliche Suche nach dem Inner-Ich im Kontext der Kunst. Somit stellt das Kunstwerk unter dem Zeichen der Qltur ein Mittel zur Selbstanalyse dar. Es löst sich dabei jedoch nicht vom Anspruch, auf den Betrachter zu wirken.
Der Künstler ist immer auch Betrachter. Er weiß zwar um die Botschaft des Kunstwerkes, doch als Betrachter hat er auch immer eine veränderte Wahrnehmung vom Kunstwerk. Somit wirkt das Kunstwerk zu jeder Zeit anders auf ihn.

Wir erweitern die Zusammenfassung um folgende Punkte:

  • Der Künstler unterliegt als Betrachter den gleichen Anforderungen wie der Laie oder Kunstanalytiker.
  • Das Kunstwerk wirkt also auf den Künstler und beeinflusst sein Denken, seine Wahrnehmung und sein Handeln.
  • Also muss das Werk des Künstlers so gestaltet sein, dass er es begründet vertreten kann.

Diese abschließenden Sätze gestatten uns folgende Umschreibung des Begriffes "Kunstwerk":

Ein Kunstwerk ist ein von einem Menschen geschaffener Gegenstand, der nach den Elementen Ästhetik, Stil und Botschaft gestaltet wurde, um eine Wirkung sowohl auf den unbeteiligten Betrachter als auch den Schaffenden zu erzielen. Die Gestaltung muss vom Schaffenden begründet vertretbar sein, sodass auch der Laie auf Wunsch anhand einer kurzen und einleuchtenden Erklärung die enthaltene Botschaft erkennen kann.